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Köln empfängt den Maestro Ennio Morricone (2016)

18.02.2016

Es ist soweit. Monate des Wartens und der Vorfreude auf einen der größten Filmkomponisten unserer Zeit haben, seit der Ankündigung im Sommer 2015, ein Ende genommen. Die Lanxess-Arena ist nicht ausverkauft, aber gut gefüllt. Viele der anwesenden Gäste sind wohl langjährige Anhänger des legendären italienischen Komponisten, welcher es noch einmal gewagt hat mit stolzen 87 Jahren auf Welttournee zu gehen. Nicht umsonst heißt es auf den Bildschirmen The 60 years of music tour. Für Kartenpreise, die bei circa 50 EUR beginnen und bis zu 100 EUR erreichen, hat wohl niemand rein zufällig so tief in die Tasche gegriffen.

An die 150 Musiker strömen auf die Bühne und werden mit einem sinusartigen Klatschen empfangen. Das Orchester besteht aus einem klassischen Ensemble aus Violinen, Violoncellos, Kontrabässen, Klarinetten, Oboen, Trompeten, Fagotten, Hörnern, Posaunen, Flöten, Schlaginstrumenten, sowie einem Pianisten, einer Harfenistin, einem E-Bassisten, einem Mundharmonikaspieler und einer Sopranistin. Die Mischung von Big Band und klassischem Orchester also, welche Morricone in den 1960ern mit einem Schlag berühmt machte.

Als der kleine, schmächtige Komponist die Bühne betritt, ertönt lautstarker Beifall. Die Arena füllt sich mit einer ganz speziellen Atmosphäre, die man vermutlich umso mehr verspürt, wenn einem klar ist, was für ein Schwergewicht der zeitgenössischen Filmmusik dort unten Platz nimmt.

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Lanxess Arena, Susanna Rigacci

Das Konzert beginnt mit dem langsamen Stück „Volti e fantasmi“ aus einem aktuelleren Film namens The best offer – Das höchste Gebot (2013), worauf ein Spannungsaufbau vor allem über das Hauptthema von Die Legende vom Ozeanpianisten (1998) erfolgt. Zwischendurch steht das kleine Genie immer wieder auf, dreht sich gen Publikum und verbeugt sich fast schon schüchtern. Es folgen der teils sowjetisch anmutende Baaria (2009) Soundtrack, sowie einige Klassiker aus Maddalena (1971), Metti, una sera a cena (1969), Todesmelodie (1971) und schließlich zwei Stücke, die spontan für Beifall sorgen: „Der Mann mit der Mundharmonika“ (der einzige Part des sonst arbeitslosen Mundharmonikaspielers) aus dem Kult-Western Spiel mir das Lied vom Tod (1968), sowie „Il forte“ aus Zwei glorreiche Halunken (1966) mit Clint Eastwood. Als dann die berühmte Sopranistin Susanna Rigacci in einer wundervollen, weinroten Abendrobe die Bühne betritt, wird klar, dass gleich „The ecstasy of gold“ ertönen wird, ein Stück von solcher Schlagkraft, dass die Band Metallica beschloss, dieses als Einführungsmusik für ihre Konzerte zu nehmen. Spätestens jetzt hat die Gänsehaut jeden erreicht und der Chor seinen Höhepunkt. Die Pause ist hier optimal gesetzt.

Nach dem Normalisieren des Blutdrucks, geht es mit Stücken aus Die Verlobten (1989), Vatel (2000), und natürlich dem Historienepos The Mission (1986) weiter. Nach knapp zwei Stunden reiner Spielzeit gibt es Standing Ovations, welche mit dem Gefühl einhergehen, sich für immer von diesem grandiosen Komponisten zu verabschieden (schließlich ist er nicht mehr der Jüngste). Es gibt drei (!!) Zugaben, welche nach jeder einzelnen das Erheben der Zuschauer von ihren Sitzen nach sich zieht. Ebenfalls ein elektrisierender Moment, welcher mit einer gewissen Wehmut verbunden ist…Lebewohl zu sagen zu einer Institution der Filmgeschichte. Dies wohl aber auf die schönste Weise, nämlich mit vollstem Respekt. Das war das Geld wohl wert!

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Sicht von Block 316

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Review: Macbeth (2015) – Ein der Shakespeare-Tragödie ebenbürtiger Film!

William Shakespeare ist unbestritten eine der schillerndsten Figuren der Weltliteratur und sein Drama Macbeth eins der bekanntesten Stücke überhaupt. Es war nur eine Frage der Zeit bis sich ein Regisseur bereits zum siebten Mal dieses Stoffs bedienen sollte. Diesmal ist es der australische Filmemacher und Newcomer Justin Kurzel, der die Herausforderung annimmt und den Film gleich im alten Gewand lässt und den Zuschauer sowohl bei der Sprachauswahl, als auch beim Setting in das 11. Jahrhundert zurückversetzt (Hier sei die originale Version mit Untertiteln zu empfehlen).

Handlung entspricht der des Dramas von Shakespeare

Kurzels Film hält sich an die Geschichte, welche Shakespeare in seinem Drama erzählt, welche überwiegend historischen Überlieferungen entspricht. So wurde Macbeth im Jahre 1040 durch die Ermordung König Duncans I. zum König von Schottland und auch sonstige historische Persönlichkeiten haben einen Platz im Film. Im Drama herrscht Macbeth als schrecklicher Tyrann, was aber nicht den Tatsachen entspricht, da dieser Machtwechsel einiges im Land verbesserte. Der Film wird also vielen Unwissenden, wie schon das Drama aus dem Jahre 1623, ein falsches Bild des wahren Macbeth vermitteln, ist so jedoch natürlich viel spannender. Eine waschechte Inszenierung des Theaterstücks also:

Nachdem einige wenige Männer (darunter Macbeth) zusammen mit ihrem Anführer Banquo die Truppen des norwegischen Königs Sweno besiegen, erscheinen Macbeth auf dem Rückweg vom Schlachtfeld zum Feldlager drei Hexen, die ihm prophezeien, dass er Thane of Cawdor und anschließend König sein werde. Der königliche Heerführer Banquo hingegen würde Stammvater zukünftiger Könige werden, sagen sie weiter. Es kommt, wie es kommen soll. Macbeth wird tatsächlich Thane of Cawdor, erhält somit ein großes Stück Land und als Lehensträger des Königs auch die höchsten Privilegien. Da er nun aber der Prophezeiung der Hexen gefährlich nahe kommt, ermordet er, ermutigt durch seine Frau Lady Macbeth den amtierenden König und es beginnt eine von Verfolgungswahn und Tyrannei geprägte Schreckensherrschaft.

© source: rottentomatoes.com

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Ausdrucksstärke der Schauspieler trägt den Zuschauer über gewisse Längen

Jeder einzelne Schauspieler, seien es Paddy Considine als Banquo, Sean Harris als Macduff, Marion Cotillard als Lady Macbeth oder der überragende Michael Fassbender als Macbeth, machen diese Film zu einem spannenden Theaterstück, welches auf der großen Leinwand funktioniert. Es handelt sich hier nämlich weniger um einen typischen Kinofilm, sondern vielmehr um ein Theaterstück, welches die Leinwand als Bühne benutzt. Angefangen bei den wenigen Actionszenen (was womöglich einige falsche Erwartungen enttäuschen könnte), die oft in Slow Motion gehalten werden, über lange Monologe, hin zu Sprüngen in der Erzählung. Action wird nicht oft eingesetzt, die erwähnte Slow Motion kann mit der von „300“ nicht ganz mithalten, da sie teils schlicht zu langsam ist und sich wenig mit der Normalgeschwindigkeit abwechselt. Kriegerische Auseinandersetzungen werden beschränkt dargestellt und vielleicht fast schon zu wenig blutig für so ein wildes Material, aber das ist Geschmackssache. Für den empfindlichen Zuschauer ist dies sicherlich eine nette Abwechslung. Die FSK-Kennzeichnung auf 12 Jahre anzusetzen halte ich trotz allem für untertrieben, da es dennoch Szenen gibt, die sehr gewaltsam sind, wie z.B. die Ermordung des Königs durch Macbeth.

Marion Cotillard stellt die perfide Ehefrau, die von Machtsucht getrieben wird, hervorragend dar, mit all ihren Facetten. So sieht man eine Entwicklung ihres Charakters, speziell als ihr das Ausmaß ihres Einflusses auf Macbeth und die damit verbundenen Tragödien klar werden. Macbeth wird von vornherein von Selbstzweifeln, Unsicherheit und ebenso Machtsucht geplagt. Zunehmend leidet er während seiner Regierungszeit an Verfolgsungswahn und trifft dadurch folgenschwere Entscheidungen. Dieser Wahnsinn wird schlichtweg genial inszeniert, speziell durch die Dialoge Macbeths mit seiner Frau, seine verwirrend wirkenden Reden oder seine unglaublich intensiven Monologe, welche er mit sich selbst führt. Hier verstecken sich allerdings auch die Längen des Films, welche dem Zuschauer einiges abverlangen. Nicht bloß darauf konzentriert zu bleiben, was gesagt wird, sondern die unheimliche Düsterheit zu ertragen, welche den Film nahezu durchgehend umgibt.

Filmmusik erneut ein tragendes Element

Die mittelalterlich wirkende und mit klaren Elementen der schottischen Volksmusik auftrumpfende Filmmusik ist der Verdienst des Filmkomponisten Jed Kurzel, des Bruders des Regisseurs. Es ist ebenfalls eine seiner ersten größeren Arbeiten und diese überzeugt auf ganzer Linie. Er erfindet das Rad nicht neu, findet aber die richtigen Knöpfe um Machthunger, Verzweiflung, Wahnsinn und sonstige Abgründe der menschlichen Seele musikalisch darzustellen. Gerade wenn diese in Szenen agiert, bei welchen die komplette Szenerie in bunte Farben getaucht wird, bekommt der Film eine fast poetische Kraft. So hat es auch der Abspann in sich. Ein in blutrote Farbe getauchter Himmel, welcher schwarze Berge und Landschaften unter sich begräbt, lässt die Zuschauer wie paralysiert sitzen bleiben und endlich mal nicht sofort aus den Sitzen springen; ein toller Moment, der sowohl den visuellen Effekten als auch der Filmmusik zu verdanken ist.

FAZIT

Einmal mehr beschreibt ein in der mittelalterlichen Zeit spielender Film, die Fragen rundum die Fehler und Abgründe des menschlichen Geistes und Verstandes mehr als treffend. Die Motive, welche das Shakespeare Drama ausgemacht haben, kommen hier aufgrund der brillanten Vorlage natürlich zum Vorschein: Machtstreben, Ordnung und Chaos, Gewissen und Schuld, Selbstbestimmung und Prädestination. All das wird dem Zuschauer in circa zwei Stunden Spielzeit vor Augen geführt und all das beschreibt somit auch die Probleme und nahezu unumgänglichen Tragödien der heutigen Zeit, die wohlgemerkt globaler Natur sind.
Von mir ein A-!


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Review: Amy (2015) – Ein emotionales Denkmal

Diesen Dokumentarfilm zu schauen bedeutet dem Untergang der unglaublichen Amy Winehouse zuzusehen und alles erneut mitzuerleben, hautnah. Als Fan nicht nur ihrer Musik, sondern ihrer Person ist das ein durchaus aufwühlendes Erlebnis. Eindringlicher als je zuvor wird dem Zuschauer das Ausmaß klar, wie ernsthaft und akut der rasante Aufstieg von einem desaströsen Fall bedroht war. Das Zuschauen wird von einem faden Beigeschmack begleitet, welcher sich in einem Gefühl der Ohnmacht manifestiert. Der Ohnmacht, tatenlos zusehen zu müssen wie ein feinfühliger Geist und eine brillante Musikerin dem Abgrund entgegen taumelt. Der Faszination für diesen solide inszenierten und gut gemeinten Film tut das keinen Abbruch. Und obwohl sie nicht mehr gerettet werden kann, fragt man sich während der 128 Minuten dennoch ständig, wie all das Unglück hätte verhindert werden können. War sie dazu verdammt zu sterben?

Singer Amy Winehouse performs at Free Music Festival in Milan on May 30, 2004.<P>Pictured: Amy Winehouse<P><B>Ref: SPL300163 240711 </B><BR/>Picture by: Leopix / Splash News<BR/></P><P><B>Splash News and Pictures</B><BR/>Los Angeles: 310-821-2666<BR/>New York: 212-619-2666<BR/>London: 870-934-2666<BR/>photodesk@splashnews.com<BR/></P> Singer Amy Winehouse performs at Free Music Festival in Milan on May 30, 2004. <P> Pictured: Amy Winehouse <P> <B>Ref: SPL300163 240711 </B><BR/> Picture by: Leopix / Splash News<BR/> </P><P> <B>Splash News and Pictures</B><BR/> Los Angeles: 310-821-2666<BR/> New York: 212-619-2666<BR/> London: 870-934-2666<BR/> photodesk@splashnews.com<BR/> </P>
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Inhalt birgt nicht viel Neues

Der Plot des Films ist chronologisch erzählt, mit einigen Flashbacks. Amy Winehouse wird als 18-jährige entdeckt und über Bekannte zu einem Vorsingen eingeladen. Die damaligen Bosse von Island Records sind überzeugt und im Jahre 2003 veröffentlicht sie ihr Debütalbum, sie ist 20 Jahre alt. Die Platte „Frank“, welche größtenteils von Erfahrungen mit ihrem Ex-Freund handelt, wird ein nationaler Erfolg und sie zum neuen Stern am britischen Musikhimmel. Kurze Zeit später beginnt die Beziehung zu ihrem Henker Blake Fielder-Civil, welcher einen ähnlichen Hang zur Selbstzerstörung aufweist wie die Sängerin und diese sogar an harte Droge heranführt. Nach einer zweijährigen Schaffenspause beginnt Winehouse wieder Songs zu schreiben, denn sie hat wieder Input, den sie musikalisch ausdrücken möchte. Es geht um die zerfahrene Beziehung zu ihrem Freund Blake, von dem sie zwischenzeitlich getrennt ist. Der englische Musikproduzent und DJ Mark Ronson hat das Glück, in dieser Zeit mit ihr in Kontakt zu kommen und es entsteht das vom Soul der 60er und modernen Ska- und Reggae Einflüssen beeinflusste Werk „Back to Black“. Winehouse schafft den internationalen Durchbruch, welcher ihr aber später zum Verhängnis werden soll. Sie heiratet 2007 Blake Fielder-Civil und es kommt zu erneuten Alkoholexzessen und Drogenproblemen. Es gibt Versuche einen Entzug zu machen, doch der Druck von außen zerbricht die zierliche Amy Winehouse im Jahre 2011 endgültig und begräbt sie im wahrsten Sinne des Wortes unter sich.
© source: shehadistan.com

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Inszenierung setzt auf Archivmaterial

Obwohl man weiß, auf welch dramatisches Ende der Film zusteuert, ist er trotz allem packend wie ein Krimi. Das liegt zum einen an der Tatsache, dass Regisseur Asif Kapadia, der auch schon für die preisgekrönten Doku „Senna“ verantwortlich war, den Zuschauer auf spezielle Art und Weise fesselt. Es sind die amateurhaften Aufnahmen, welche diesen Film über die Gefühlsebene definieren, der Schlüssel zur Person Amy Winehouse. Anbetracht der Tatsache, dass der relativ
einfallslose Untertitel „The girl behind the name“ schon suggeriert, dass man viel über
sie erfahren wird, kann man kritisieren, dass es insgesamt ein etwas unbefriedigendes Gesamtbild ist, welches hier gezeichnet wird. Amy Winehouse wird nur über ihre Musik definiert, als ob sie nichts anderes im Leben hatte oder mochte. Das ist eine Eindimensionalität, die durch die partielle Entschlüsselung ihrer Musik (aufgrund welcher wir sie nun mal kennen lernen durften) und den Erzählungen der Freunde und Verwandten, wiederum nicht massiv stört. Erst im Nachhinein wünscht man sich, man hätte diese Ausnahme Sängerin durch den Film noch besser kennengelernt.
Der Reichtum an privaten Video- und Audioaufnahmen verblüfft ganz einfach. Es ist schier unglaublich, dass Freunde und Bekannte so viele Momente mit der Videokamera festhielten und man diese nun zu Gesicht bekommt. Auf der einen Seite kann man hinterfragen ob diese Aufnahmen nicht noch zu einer weiteren Entblößung dieses verletzlichen Menschen beiträgt. Auf der anderen Seite siegt aber wohl die Freude und Nostalgie, diese vor Talent strotzende Interpretin in solch privaten Momenten zu sehen und dabei ihre Zielstrebigkeit und extrovertierte Art mitzuerleben. Was am meisten wiegt, ist wohl die Realisierung wie nah Amy Winehouse‘ Musik ihr Leben wirklich widerspiegelte und die Gänsehaut, welche bei jedem erneuten Hören von Songs wie „You know I’m no good“, „Rehab“, oder „Love is a losing game“ ausgelöst werden wird.

The Good, the Bad and the Ugly

Voice-over begleiten jede Szene und es sind genau diese emotionalen Momente, in welchen z.B. Lauren Gilbert unter Tränen von ihrer besten Freundin Amy erzählt, welche einen nicht loslassen. Nick Shymanskys Stimme ist ebenfalls immer wieder zu hören. Er ist ein Freund aus der Jugend und ehemaliger Manager der Sängerin und einer der verlässlichsten Erzähler der Geschichte. Seine Aussagen machen deutlich, warum er der Hauptgrund dafür war, dass dieser Dokumentarfilm überhaupt entstanden ist. Dadurch, dass manche Personen hier ins Zielfeuer der Kritik geraten werden auch schnell die Guten von den Bösen unterschieden. Mitchell Winehouse, Amys Vater wird als ein Egomane dargestellt, welcher die Familie früh verließ und später mehr die Rolle eines selbstverliebten Karrieremenschen  als eines warmherzigen Elternteils übernimmt. Kein Wunder, dass er den Film für kompletten Unfug hält. Der zerstörerische Ex-Mann Fielder-Civil ist ebenfalls einer der negativen Figuren, welcher aber immerhin den Mut aufbringt, sein unverantwortliches Handeln zuzugeben, wie z.B. dass er Amy Winehouse mit harten Drogen in Kontakt brachte. Hier bleibt ebenfalls die Frage im Raum, ob er sich überhaupt darüber im Klaren ist, was er mit diesem Verhalten für Schaden angerichtet hat. Zu den Guten wird dann beispielsweise der spätere Bodyguard gezählt, der versucht das Ausmaß der aufdringlichen und skrupellosen Paparazzi einzudämmen und welcher sich später auch zu einer wichtigen Vertrauensperson entwickelt. Eine Aussage, die dem Regisseur an dieser Stelle mit Sicherheit wichtig war, ist die Funktion der Medien und den Star Kult zu hinterfragen. Inszeniert wird diese Kritik, indem das Paparazzi Material selbst dazu benutzt wird, den haarsträubenden Voyeurismus der Menschen und die damit verbundene Branche des Klatsch und Tratsch zu zeigen. Die gezeigten Blitzlichtgewitter stören sogar den Kinobesucher, welcher einen Eindruck davon bekommt wie schlimm solche Presse Belagerungen wirklich sein können.

Am Ende des Films bleibt der Gedanke, ob ein psychisch labiler Mensch, welcher mit Bulimie, zwischenzeitlichen Drogenproblemen und Alkoholsucht zu kämpfen hat, überhaupt in solch einem Milieu gesund werden kann. Oder ist es das gierige Umfeld, seien es die Medien oder als Berater und Manager getarnte empathielose Narzissten, die dies unmöglich machen?

Möglicherweise ist es eine massive Verkettung unglücklicher Ereignisse. Und diesmal musste eine talentierte junge Frau ihr Leben geben, welche Millionen von Menschen auf die eine oder andere Weise faszinierte. Wäre sie doch nur stärker gewesen.

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© source: rolereboot.com

FAZIT

Amy ist ein ambitionierter Dokumentarfilm über eine von Jazz Legende Tony Bennett als Naturtalent bezeichnete junge Musikerin, welche 2011 als aktuellstes Mitglied des „Club 27“ unsterblich wurde. Die Geschichte ist packend erzählt und angesichts der vielen hundert Stunden von vorliegendem Archivmaterial, respektvoll und dennoch pragmatisch gehalten. Ein Film, welcher keine besonders neuen Erkenntnisse mit sich bringt, aber mehr als deutlich einen guten Einblick in das Leben der Sängerin gibt und ihr ein würdiges und emotionales Denkmal setzt.
Von mir ein A-


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Review: Drake – If youre reading this its too late (2015)

Drake ist kein sozialkritischer Rapper. Er ist kein Kendrick oder J.Cole, er bemängelt nicht die sozialen Missstände der afro-amerikanischen Bevölkerung in den USA und nimmt auch nicht Teil am sonstigen politischen Diskurs. Der 28-jährige Kanadier ist aber jemand, der mit seiner Art Musik zu machen polarisiert. Er spiegelt in gewisser Weise den Zwiespalt der Rap Szene wieder. Auf der einen Seite macht er herzzerbrechende Songs, in denen er Ex-Freundinnen hinterher trauert oder sich Gedanken darüber macht was Erfolg eigentlich bedeutet. Auf der anderen Seite ertränkt er in seinen Songs eben diese Trauer mit Erfolg, sprich Geld, Autos, Alkohol und zahlreichen leichten Frauen. Drake zeigt also seine Verletzlichkeit, für die er hin und wieder viel Häme und Witz einstecken muss. Interessanterweise ist er trotz allem einer der erfolgreichsten Interpreten auf seinem Gebiet und somit einer der Großverdiener in der Musikszene. Und genau aus all diesen Elementen setzt sich letztlich die Quelle für sein Output zusammen.

Erfolgsgeschichte geht weiter

In den ersten drei Alben Thank me Later (2010), Take Care (2011) und Nothing was the Same (2013) mischte Drake seine introvertierte und nostalgische Art immer mit zwischenzeitlichen „Braggadocio“ Nummern wie Started from the Bottom, Worst Behavior, The Motto, All Me etc. Zu der Dualität seiner Albumkonzepte kommt passend hinzu, dass er seit Tag 1 Gesang mit Rap kombinierte, um aus der Masse heraus zu stechen.

Im Februar 2015 kam dann ohne große Ankündigung der nächste Longplayer auf den Markt namens If youre reading this its too late und brachte dem Musiker einen Spotify Streaming Rekord ein, sowie eine beachtliche Verkaufszahl von 495.000 Einheiten innerhalb der ersten drei Tage. Ein Marketingstrategie, von welcher danach auch andere Künstler in ähnlicher Weise versucht haben zu profitieren. Ob es ein Album oder Mixtape ist, war Teil einer Diskussion, welche aber letztlich irrelevant und relativ klar zu beantworten ist. Schließlich handelt es sich hierbei um ein kommerzielles Produkt, welches vertrieben worden ist und keine Remakes oder Remixe aufweist. Das Werk scheint professionell abgemischt worden zu sein, was sich wiederum in einer guten Hörbarkeit niederschlägt und welches dadurch weniger Mixtape Charakter aufweist (hier sei erwähnt, dass immer mehr Tapes auditiv auf Album-Niveau kommen). Da es sich nicht um kostenlos erwerbliche Musik handelt, fällt es für mich daher auch eher unter die Kategorie „Album“.

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© Image Source: idolator.com

Der Sound wird „rougher“

Soundästhetisch ist IYRTITL vom Gesamtbild her deutlich härter und lyrisch geht es ebenfalls vermehrt um Prahlereien, sowie den Status, welchen Drake mittlerweile in der Raplandschaft genießt. Gemessen an den Verkaufszahlen, sowie der Anzahl erfolgreicher Kollaborationen mit anderen Künstlern, kann man Drake auf der Ebene nur neidlos zustimmen. Für die Beats haben sich mal wieder überwiegend Noah Shebib und Boi-1da verantwortlich gezeigt, welche Drake auch zuvor schon seinen ganz eigenen Sound bescherten. Obwohl Nummern wie Know Yourself, Madonna, Star 67, Preach, Company und Jungle allesamt ruhig veranlagt sind, passen sie perfekt zu dem omnipräsent arroganten, roughen und düsteren Sound, welcher vor allem durch anschwellende und dröhnende Bässe, Synthie-Sounds und klirrende Drums entsteht. Meist ist die Melodie simpel gehalten und stark repetitiv, wie z.B. das Klavier in Energy, die Glocken in 10 Bands oder die Flöte in No Tellin. Und obwohl viele andere Producer am Werk mitgearbeitet haben, klingt es sehr homogen und auf einen Stil ausgerichtet.

Lyrics passen zur Soundästhetik

Angefangen wird mit der von PARTYNEXTDOOR produzierten Nummer „Legend“, in welchem der Rapper nichts geringeres behauptet als das wenn er sterbe, er zur Legende werden würde. Nett ist das Ginuwine Sample „So anxious“, welches hier als Hintergrund Melodie verwendet wird. Es folgen Nummern wie „Energy“ und „10 Bands“, in welchem Drake über die Kehrseiten des Erfolgs spricht, wie z.B. dass er gestresst ist und nicht in Ruhe gelassen wird und die zahlreichen Feinde/Hater ihn immer wieder auf die Probe stellen. In „Know Yourself“ spricht der Rapper über seine Freunde und seinen Legendenstatus, sowie darüber, dass es ihm missfällt wie ernst sich andere Rapper nehmen. „No Tellin“ beschreibt das Leben als Superstar und die zwei Gesichter vieler Leute, welche falsche Behauptungen aufstellen und sich nicht immer fair und respektvoll verhalten. Mit „Madonna“ folgt ein klassischer Lovesong, welcher aber sofort mit Songs wie „6 God“ und „Star67“ abgelöst wird, welche sich hauptsächlich mit dem Thema der Authentizität beschäftigen und dem Ausmaß seines Erfolgs, welcher dazu beitrüge, dass sein Sound eine komplette Stadt wie Toronto (seine Heimatstadt) definiere. In „Used to“ wird der Umgang mit dem großen Erfolg angesprochen und dass man dies ebenso erlernen muss wie mit den Leuten umzugehen, die hinter dem Rücken über einen redeten. In „Now & Forever“ wird scheinbar das Ende einer Beziehung thematisiert, allerdings könnte man hier auch die aktuelle Label-Situation von Drake in Betracht ziehen, da er Differenzen mit dem Label Chef Birdman hat und bei „Cash Money Records“ sowieso ein großer Umbruch bevor zustehen scheint. „Company“ beschreibt, welche Eigenschaften eine Frau aufweisen muss um Drake zu gefallen und seine Sehnsucht nach einem Menschen, welcher an seiner Seite ist.

FAZIT

Mit seinem aktuellsten Werk bleibt sich Drake sowohl lyrisch als auch soundtechnisch treu und schreibt seine Erfolgsgeschichte weiter. Der Sound erinnert sehr an die vergangenen Alben, ist aber dennoch etwas aggressiver veranlagt. Prinzipiell gibt er den Fans und Hörern, die schon immer ein etwas härteres Album haben wollten, genau das. Lyrisch bewegt er sich auf ähnlichem Terrain wie zuvor, bloß das den Lyrics mehr und mehr anzumerken ist, dass Drake seine Authentizität und Realness unter Beweis stellen möchte, indem er einfach kein Blatt vor den Mund nimmt. Verblüffend ist die Tatsache, dass soviele Leute an den Songtexten mitgeschrieben haben, wenn man bedenkt, dass sie sehr persönlich und teils sehr einfach gehalten werden. Sehr wohl sind es aber wohl gerade die Einfachheit und gleichzeitige Verfänglichkeit der Lyrics, kombiniert mit sehr effektvollen Drumkits, welche einem so viele Ohrwürmer bescheren. Von mir ein starkes B+!


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Review: Whiplash (2014) – Aus der Medizin: Schleudertrauma

Was könnte es besseres für einen Musik- und Filmfan geben, als einen Musikfilm? Beide großen Kunstformen sind zwar seit der Einführung der Tonspur und der Weiterentwicklung der Filmmusik natürlich schon so gut wie eins geworden, allerdings ist der Musikfilm eine ganz eigene Sache. Schließlich bereitet er das Thema Musik nach eigenen Regeln auf und erzählt eine Geschichte, in welcher die Musik ein Hauptbestandteil der Protagonisten ist und ihr Leben in gewisser Weise bestimmt. Meistens sind es Biographien verstorbener Musiker, oft dienen reale Interpreten als Inspirationsquelle oder es sind schlichtweg fiktionale Geschichten, die eine Musiker-Geschichte erzählen wollen. Bekannte Beispiele für aktuellere, sehr gute Musikfilme (bestimmt wird es hier bald eine eigene Rubrik dazu geben) sind u.a. „Walk the line“ (2006), „Die Kinder des Monsieur Mathieu“ (2004), „Once“ (2006), „Crazy Heart“ (2009), „Inside Llewyn Davis“ (2013), „Ray“ (2004) und „Get on up“ (2014). Alle diese Filme schaffen es eine überzeugende emotionale Geschichte zu erzählen, welche aber ebenso der Musik genug Raum lässt.

Aus dem Nichts in die TOP 50 von IMDb

Whiplash kam so unerwartet, da er keine riesige Werbetrommel rührte. Ebenso war das Budget für einen US-amerikanischen Film nahezu ein Witz mit circa drei Millionen Dollar. Und erneut zeigt sich: Man braucht keine hunderte Millionen von Dollar verpulvern, um einen spannenden, elektrisierenden Film zu schaffen. Im Gegenteil: Oft sind es eben diese Filme, die uns intellektuell deutlich besser abholen und eher berühren, als die 10. Fortsetzung eines Erfolgsgaranten, oder die 20. Verfilmung eines Comics. Premiere feierte Whiplash Anfang 2014 auf einem der renommiertesten Filmfestivals der USA, dem Sundance in Utah und prompt gewann er den Publikumspreis, sowie den Großen Preis der Jury. Er erhielt zahlreiche Nominierungen, wovon er knapp die Hälfte einheimsen konnte. Unter anderem gewann J.K. Simmons für seine Rolle als aggressiver Musiklehrer Fletcher den Golden Globe als „Bester Nebendarsteller“. Der Film sprang zudem durch eine durchschnittliche Bewertung von 8.7 von 10 in die Top 50 der besten Filme auf IMDb.com. Ist das gerechtfertigt?

Handlung ist schnell erzählt

Andrew ist ein 19-jähriger Schlagzeuger an einer Musikschule in New York City. Er möchte in der Schul-Jazzband spielen und muss sich fortan im Kurs von Musiklehrer und Bandleader Fletcher beweisen. Schnell wird klar, dass letzterer vor nichts zurückschreckt, um aus seinen Musikern das Beste herauszuholen. Physische und psychische Gewalt werden zu Erziehungsmaßnahmen, denen sich die Betroffenen nicht entziehen können oder auch wollen. Selten kann man eine Handlung so schnell und einfach erzählen, ohne dabei etwas essentielles vorwegzunehmen. Natürlich ist es noch spaßiger und besser, wenn man sich ohne jegliches Vorwissen in den Kinosessel fläzt und alles auf sich zukommen lässt. Diesen Glücksfall hatte ich, da ich nur wusste, dass es ein Musikfilm ist und ich aufgrund des Filmplakats bloß vermutete, es würde wohl hauptsächlich um Perkussion oder Schlagzeug gehen.

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© Image Source: issuemagazine.com

Der Film beginnt mit einer Einstellung, in der Andrew (Miles Teller) in einem Raum in der Schule fast schon virtuos Schlagzeug übt. Eine sehr nette und angenehme Einführung auf das was noch folgen soll. Immerhin rücken hier das Instrument und der Hauptprotagonist sofort in den Fokus und werden fortan begleitet. Der Film profitiert davon, dass J.K. Simmons, der Fletcher so überzeugend wie beängstigend spielt, früher einmal eine Ausbildung zum Filmkomponisten machte und so schon mit Dirigier-Arbeiten in Kontakt kam. Ebenso spielt Miles Teller seit seinem 15. Lebensjahr Schlagzeug und ist dadurch natürlich der perfekte Cast um die Rolle authentisch rüberzubringen.

Theatrale Inszenierung

Die Kameraarbeit von Sharone Meir passt zur Aufmachung des Films. Er ist oft sehr nah an den Schauspielern dran und die Einstellungen sind sehr gut gewählt, sodass man immer alles wichtige im Auge hat und nicht abgelenkt wird von unwichtigen Hintergründen oder Nebenschauplätzen. Erwähnung muss in diesem Beitrag der ausgezeichnete Schnitt von Tom Cross finden! Hier fällt die berauschende Arbeit von Cuttern auf, welche Filmen oftmals die eigene Atmosphäre verpassen. Es gibt hier unheimlich viele Schnitte, die unheimlich gut zu der angespannten Stimmung des Films passen und diese dadurch noch verstärken. Man befindet sich oft in einem Saal oder Raum, in dem die Band gemeinsam probt. Dabei ist die Belichtung sehr oft dunkel gehalten, genau wie das komplette Outfit von Fletcher. Ohnehin passt diese Kleidung wie der Deckel zum Topf und sein ohnehin schon markantes Gesicht erfährt durch Kostümierung und den kahlrasierten Kopf eine elektrisierende Ausdrucksform, sodass es einen nahezu selbst trifft, wenn er mit den zahlreichen Beleidigungen um sich wirft (an dieser Stelle ist die englische Version wärmstens empfohlen). Dadurch, dass sich die meisten Szenen auf einer Bühne oder in einem Proberaum abspielen, hat man das Gefühl, man säße in einem Theaterstück, wobei man solche manchmal noch intensiver als einen normalen Kinofilm erlebt. Im letzten Drittel des Films erlebt man eine überraschende Wendung, die zu einer unfassbar intensiven Schlussszene führt, welche für jeden Musikfan ein Highlight, und für jeden Perkussionisten, der absolute Wahnsinn ist. Der Soundtrack des Films ist unheimlich mitreißend, das rhythmisch pulsierende des Schlagzeugs ist natürlich vorherrschend, gerade in den Übungs-Szenen lassen einen die Sechzehntel und Achtel nicht mehr los, die Andrew krampfhaft versucht perfekt umzusetzen. Der überragende Soundtrack wurde hier größtenteils von Justin Hurwitz beigesteuert, das ohrwurmträchtige Hauptthema ist ein Uptempo-Jazz Stück von Hank Levy. Im Prinzip kann man hier nahezu von einem Schlagzeug-Soundtrack sprechen, sowas habe ich zuvor auch noch nicht erleben dürfen.

FAZIT

Damien Chazelle hat es geschafft, aus seinem preisgekrönten gleichnamigen Kurzfilm, einen abendfüllenden Spielfilm zu schaffen, welcher es in sich hat. Es ist schwer diesen Film nicht zu mögen, wenn man auch nur ansatzweise Musikfilme mag. Leichte Abzüge wird es wohl bei dem durchschnittlichen Zuschauer in der relativ simpel gehaltenen Geschichte geben, die nicht versucht irgendwelche künstlichen Emotionen durch tragische Nebenhandlungen hervorzurufen. Verständlich mag es sein, aber in meinen Augen kann es im Prinzip auch als Stärke angesehen werden, genau wie das abrupte aber grandiose Ende. Whiplash ist die intensive Geschichte eines jungen Mannes, der sein Hobby zum Beruf machen möchte und alles dafür gibt, der Beste zu werden: Blut, Schweiß und Tränen (im wahrsten Sinne)! Von mir ein B+!


© Image Source (Cover Picture): huffingtonpost.com

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Review: Gone Girl (2014) – Eine Roman-Verfilmung, für die man dankbar sein kann!

Mit Filmadaptionen ist das so eine Sache. Oftmals werden Romane erst dann als Filmmaterial in Augenschein genommen, wenn sie auch vorher auf Bestsellerlisten erschienen sind, und genug Fans den Erfolg der Adaption nahezu garantieren können. Also das typische „auf-Nummer-sicher-gehen“ in Hollywood. Jedoch muss man hierbei erwähnen, dass diese Praxis schon immer existiert hat und seit Beginn des Langfilms immer auf Material aus der Literatur (Fiktionale Romane oder Autobiografien) zurückgegriffen wurde. Nichtsdestotrotz ist es für manche Leser sicherlich ein Argument, eine Adaption nicht anzuschauen, da diese sonst ihre Vorstellungen vom gelesenen Stoff möglicherweise umstürzen und verändern würde.

Romanvorlage verkaufte sich fast 3 Millionen Mal

Der Film „Gone Girl“ ist die Adaption des gleichnamigen Romans von Gillian Flynn aus dem Jahre 2012. Es war ihr bis dato erfolgreichster Roman, welcher auch einige Preise (u.a. 2x -Best Book of the Year-) verzeichnen konnte. Da ich das Buch nicht gelesen habe, werde ich keinen Vergleich anstellen, sondern nur den Film als solchen bewerten. Was mir über Erzählungen zugetragen wurde, ist, dass der Film sehr nah an der Romanvorlage sein soll. Ein Grund hierfür ist sicherlich, dass Flynn eng mit Fincher zusammengearbeitet hat, um eine gemeinsame filmische Vision vom literarischen Stoff zu kreieren.

Gone Girl lässt sich, genau wie seine Vorlage nicht in ein bestimmtes Genre einordnen. Genres haben sowieso das Problem, dass man immer eine subjektive Vorstellung davon hat, welche Kriterien Mystery-Thriller, Kriminalfilm oder Drama jeweils erfüllen. Oftmals sind die Grenzen so fließend, dass es ebenso schwer ist, überhaupt eine Abgrenzung zu machen. Bei Fincher’s Film, handelt es sich in meinen Augen um einen Thriller, welcher Suspense und Mystery-Elemente aufweist, aber hauptsächlich eine Art psychologisches Drama darstellt.

Die Dynamik einer langjährigen Beziehung

Nick (Benn Affleck) und Amy Dunne (Rosamund Pike) werden im Zuge der Krise der Printmedien von ihren jeweiligen Arbeitgebern entlassen. Als Nick’s Mutter im Sterben liegt, ziehen sie von New York nach Missouri, welches deutlich ländlicher ist und mit dem Leben in einer Großstadt nicht mehr viel zu tun hat. Amy akzeptiert anfänglich ihr Leben als kinderlose Hausfrau, während Nick es schafft, mit seiner Schwester Margo (Carrie Coon) eine eigene Bar auf die Beine zu stellen. Am fünften Hochzeitstag verschwindet Amy scheinbar spurlos. Die einzigen Spuren sind ein zerbrochener Glastisch im Wohnzimmer sowie einige wenige Blutspritzer in der Küche. Detective Rhona Boney (Kim Dickens) nimmt die Ermittlungen auf und stößt auf immer eigenartigere Gegebenheiten. Sie scheint auch, im Gegensatz zu ihrem Partner Jim Gilpin (Patrick Fugit), diejenige zu sein, welche keine Indizien sofort als Beweise ansieht oder zu schnelle Schlussfolgerungen aus scheinbar offensichtlichen Fakten zieht. Da Amy Dunne in der Vergangenheit ein Kinderstar war, interessieren sich die Medien mehr und mehr für den Fall. Als es schließlich nicht mehr vermeidbar ist, die Angelegenheit zu verschweigen, wird Nick durch sein mysteriöses Verhalten und seine fragilen Auftritte in der Öffentlichkeit zum Hauptverdächtigen des Falls.

Um nicht zu viel vorwegzunehmen, möchte ich es bei dieser kurzen Inhaltsangabe belassen und auch jegliches Spoilern umgehen. Dieser Film lebt von den Wendungen und dem Spiel mit der Erwartungshaltung des Zuschauers. Dadurch bekommt er seine besondere Raffinesse und seine ganz spezielle Grundatmosphäre. Gepaart mit der klinischen Bildästhetik und der Hochglanz-Inszenierung, die Finchers Filme meist definieren (siehe –Zodiac-, –House of Cards-), hat man das Gefühl, dass hier kein besserer Regisseur hätte gefunden werden können. Die Musik von Trent Reznor und Atticus Ross passt hier wie der Deckel zum Topf. Die beiden schaffen eine beklemmende und beunruhigende Atmosphäre, welche sich aber immer dezent dem Visuellen anpasst. Klavier, Synthesizer und sehr untypische Perkussions-Elemente sorgen dafür, dass der Zuschauer von seinem Unbehagen nicht mehr loskommt.

Cast und Erzählform

Die Besetzung ist tadellos. Ben Affleck überzeugt auf ganzer Linie als geheimnisvoller, vermeintlich perfekter Ehemann. Rosamund Pike ist für mich die Überraschung des Films. Obwohl sie schon ein Bond-Girl war und diverse starke Rollen (Stolz & Vorurteil, Barney’s Version) spielen durfte, ist das mit Abstand die beste Performance ihrer Karriere. Sie spielt Amy Dunne mit einer Unberechenbarkeit und einem Ausdruck, der hier genau richtig dosiert wird. Alle weiteren Nebendarsteller überzeugen ebenfalls, wobei noch Kim Dickens als smarte Kriminalbeamtin hervorsticht. Emily Ratajkowskis Modelqualitäten und ihre Bereitschaft zur Nacktheit beschert ihr ihren ersten größeren Filmjob, für welchen sie natürlich der perfekte Cast ist.

Gillian Flynn verriet einmal, dass das Hauptmotiv die Erforschung der Psychologie und Dynamik einer langjährigen Beziehung für die Geschichte gewesen sei. Dem Film ist genau diese Psychologie anzumerken, obwohl im allgemeinen nicht sehr viel erzählt wird. Die Beziehung zwischen Nick und Amy wird hier nicht bis auf den Grund beleuchtet, so wie man es vermuten könnte. Hierin sehen wohl die meisten die Schwächen des Films. Jedoch wird angedeutet, was in einer Ehe schief laufen kann und wie sich die Personen zum Schlechten hin verändern können. Und eben genau diese Andeutungen reichen aus, um dem Film die nötige Tiefe zu geben. Sie vermischen sich mit der Interpretation und Vorstellung des Zuschauers und schließt so die lückenhafte Information, welche der Film hinterlässt.

Die Erzählform des Films ist sehr interessant gewählt und stimmt mit dem Stil im Buch wohl weitestgehend überein. Amy erzählt aus der Ich-Perspektive in Form von Tagebucheinträgen im Imperfekt. Die zweite Erzählform geschieht im Präsens und zeigt Nicks Verhalten und vor allem seine Sichtweise auf die Dinge. Dadurch, dass der Zuschauer hier zwei subjektive Präsentationen der selben Geschichte aufgetischt bekommt, ist er durchgehend hin- und hergerissen. Wem kann man Glauben schenken, wem muss man distanziert gegenüber stehen? Sicherlich entscheidet das jeder für sich während sich die Handlung entwickelt, aber es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass beide Hauptcharaktere letztlich unverlässliche Erzähler sind. Sie sind nicht unbedingt psychisch stabil, wie ihr Privatleben und ihre Schicksalsschläge offenbaren. So weiß der Zuschauer bis zum Ende nicht, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln wird. Was besonders hervorsticht, ist, dass man meiner Meinung nach, nachdem man den Film angeschaut hat (anders als Flynn selber sagte), eben doch über ihn und seine Protagonisten und deren Beweggründe diskutieren kann.

FAZIT

Der neue Film von David Fincher ist ein visuell sehr ansprechender, auf Hochglanz polierter Thriller, welcher gerade durch die psychologische Tiefe seiner Hauptcharaktere zu überzeugen vermag. Gerade die teils langsame Erzählweise hält den Zuschauer auf Trab. Die Wendungen führen einen auf falsche Fährten und sind vielleicht untypisch, aber gerade das macht sie so reiz- und effektvoll. Die wenigen harten Szenen im Film hätten in meinen Augen ein FSK-18-Rating verdient, was aber der Bewertung natürlich keinen Abbruch tut. Von mir ein A-!


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NAS

Nachtrag: Nas‘ „Illmatic“- Konzert in Köln (2014)

Als allererstes geht es um das NAS Konzert vom 14. Juli 2014, welches in Köln in der „Essigfabrik“ stattfand.
Der großartige Rapper, welcher mittlerweile zum „alten Schlag“ gehört, gab sein Debüt Album Illmatic ,aus dem Jahre 1994, zum Besten…und wie! Dass Nas noch keineswegs an ein Karriereende denkt, zeigt sich schon allein an der Tatsache, dass er 2012 sein letzten Solo Album „Life is good“ releaste und nun eben in diesem Jahr eine Neuauflage seine Klassikers von 94′ pressen ließ. Obwohl er vor zwei Monaten das 41. Lebensjahr beendete ist er auf der Bühne so frisch wie ein Newcomer, er wirkt als wolle er den Rapolymp noch einmal erklimmen und den 90er Flair wieder zum Leben erwecken.

Ohne Zweifel schafft er dies, bedingt durch seine junge Energie und ganze Erfahrung, die er auf die Bühne mitbringt. Ein überaus gut funktionierendes und wirklich tolles Hilfsmittel war eine große Leinwand im Hintergrund, welche Videos von New York und verschiedene Musikvideos von „Nas“ selbst präsentierte. Diese Bilder korrelierten perfekt mit der Performance von Nas, der dadurch nur noch mehr die Aura einer „Legende“ zu verbreiten schien. Schon ab dem ersten Song hatte er das ganze Publikum hinter sich, viele rappten zeilenweise Lyrics mit, selbst die Jüngeren im Publikum! Das beeindruckte mich tatsächlich ein wenig, gerade wenn man aus einigen Ecken hört „Hip Hop is dead“ (bezweichnenderweise ein 2006er Albumtitel von Nas). Weitere Hits der Folgejahre („I know“, „Nastradamus“, „Made you look“, etc.) rundeten das Bild eines wirklich famosen und gelungenen Konzerts ab.

Insgesamt merkt man, dass die Lust der Leute auf alte Platten und Tracks, die das deepe Gefühl der damaligen Hip Hop Kultur transportiert haben, vorherrscht, und so vielleicht eine Rückbesinnung auf „alte Werte“ stattfinden könnte. Gerade schon darin zu sehen, dass Vinylplatten so beliebt sind wie lange nicht mehr. Interpreten wie „Joey Bada$$“, „The Underachievers“ oder „Dizzy Wright“ scheinen dies als junge Generation aufgreifen zu wollen, mit Erfolg.


Fazit: Wenn ihr die Möglichkeit habt, einen Altmeister wie Nas mal live zu sehen, verpasst es nicht, immerhin nimmt er bei weitem nicht so viel Eintritt (ca. 40 EUR) wie ein Jay-Z (welcher in einer Lanxess Arena auftitt, ca. 70 EUR).

p.s.: Die genaue Songauswahl kann man auf dem Bild erkennen, da ich es noch geschafft hab, die Setlist abzufotografieren.

Setlist